Gesundheitskosten

Unmittelbar nach der Uhrenumstellung auf Sommer-Uhrzeit wird ein Anstieg der Gesundheitskosten und der Sterblichkeit beobachtet: 

  • Die Kosten für das Gesundheitswesen steigen (der Verlust wird auf 4 Millionen Euro pro 1 Million Bürger über einen Zeitraum von 4 Tagen geschätzt) [JiZi20];

  • Die Sterblichkeit steigt durch die plötzliche Zunahme von Herzinfarkten (24% Zunahme der täglichen Herzinfarkte [SaSG14]) und Autounfällen (insgesamt 6% Zunahme, da Standorte weiter westlich in einer Zeitzone stärker betroffen sind [FVWV20]).

 

Die Kosten für die erhöhte Sterberate durch die Umstellung auf Sommer-Uhrzeit werden auf 0,44 Millionen Euro pro 1 Million Bürger geschätzt [JiZi20, Smit16]. Bei der Einwohnerzahl von Deutschland bedeutet das einen Verlust von rund 37 Millionen Euro. Jedoch darf die Tragweite des Verlustes von Menschenleben keineswegs auf eine wirtschaftliche Bilanz beschränkt werden.

Wesentlicher noch als die vorübergehenden Zusatzausgaben durch die Uhrenumstellung im Frühjahr sind jedoch die Gesundheitskosten, die durch die langfristigen Einwirkungen einer dauerhaften Sommer-Uhrzeit zu erwarten sind. Eine solche geht  mit schwerwiegenden gesundheitliche Folgen [GiMa19, HSTT16] einher. Eine von ihnen ist die Erhöhung des Krebsrisikos [Bori11a, Diem00, GXDZ17, VWVH18].

Um den Einfluss einer permanenten Sommer-Uhrzeit auf die Gesundheitskosten abzuschätzen, lassen sich Studien zu Rate ziehen, die die Gesundheitskosten zwischen Regionen östlich und westlich von Zeitzonengrenzen vergleichen [GiMa19].

Wie in der Abbildung 1 gezeigt, finden Sonnenauf- und -untergang östlich von der Zeitzonengrenze nach lokaler Amtszeit eine Stunde später statt als westlich von der Zeitzonengrenze, obwohl sie in der Realität für beide Beobachter gleichzeitig zu sehen sind. Auf der Ostseite der Grenze würde man beispielsweise sagen, dass der Sonnenaufgang um 8 Uhr Amtszeit stattfindet, während man auf der Westseite die Sonne um 7 Uhr Amtszeit aufgehen sieht. Diese zeitliche Versetzung der sozialen Zeit (der Uhrzeit) von einer Stunde entspricht der Differenz zwischen Standardzeit und Sommer-Uhrzeit. Die Menschen östlich der Zeitzonengrenze leben verglichen mit denen westlich der Zeitzonengrenze in dauerhafter Sommer-Uhrzeit. Eine Studie, die die Gesundheitskosten östlich und westlich der Zeitzonengrenze miteinander vergleicht, kommt zu folgendem Schluss: Die Ausgaben für die Gesundheit sind in den Bezirken östlich der Zeitzonengrenze (also dort, wo im Vergleich zur Westseite eine dauerhafte Sommer-Uhrzeit herrscht) um mindestens 2,35 Milliarden USD (82 USD pro Kopf) pro Jahr (rund 2 Milliarden Euro) höher als in den Bezirken westlich der Zeitzonengrenze [GiMa19].

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Abbildung 1: Lokale Zeit des Sonnenauf- und -untergangs östlich und westlich der Zeitzonengrenze. Quelle:  [GiMa19]

Setzt man den Mehraufwand von 82 USD pro Kopf und Jahr ins Verhältnis zu dem Gesundheitskostenwerts von 10.738 USD pro Kopf für die USA im Jahr 2017 (gemäß dem Zentrum für Krankheitskontrollen und Prävention - CDC), so entspricht dies einem Anstieg der Gesundheitsausgaben um 0,76% durch eine dauerhafte Sommer-Uhrzeit (im Vergleich zu einer dauerhaften Standardzeit). An dieser Stelle sei jedoch erwähnt, dass in der zitierten Studie keineswegs das gesamte Spektrum der gesundheitlichen Komplikationen, die sich aus der Sommer-Uhrzeit ergeben, berücksichtigt wurde. Betrachtet wurden die Ausgaben für Fettleibigkeit, Diabetis, Herzinfarkte und Herzkrankheiten, Schlaganfälle, sowie Brust-, Prostata- und Darmkrebs. Nicht betrachtet wurden zum Beispiel Ausgaben für psychische Leiden, neurodegenerative Krankheiten, Autoimmunerkrankungen oder auch Schlafstörungen, obwohl wissenschaftliche Studien deren erhöhte Auftretenswahrscheinlichkeit durch Sommer-Uhrzeit belegen oder indizieren (siehe Rubrik "Gesundheit"). Es ist daher zu erwarten, dass der tatsächliche Anstieg der Gesundheitskosten durch eine dauerhafte Sommerzeit noch höher ist. Eine umfassende Schätzung, in der die Kosten aller bekannten, durch Sommer-Uhrzeit verursachten Gesundheitsprobleme betrachtet werden, gibt es leider noch nicht.

Auf Basis der verfügbaren Daten (2018) [Oec:00, Thea00] und unter Annahme ähnlicher Auswirkungen wie in den USA bedeutet dies für Deutschland: Unter einer dauerhaften Sommer-Uhrzeit wären die zusätzlichen Gesundheitskosten rund 2915,6 Millionen Euro höher als unter einer dauerhaften Standardzeit. Wenn man bedenkt, dass wir 7 Monate in der Sommerzeit verbringen, belaufen sich die gegenwärtigen Kosten bereits jetzt auf rund 1700,8 Millionen Euro.