Die Kosten von schlechtem Schlaf

Die meisten Menschen brauchen einen Wecker, um an Arbeitstagen morgens rechtzeitig aufzuwachen [RPZW19]. Die künstliche Verkürzung des Schlafs durch den Gebrauch eines Weckers bedeutet jedoch, dass der Körper seinen Regenerationsprozess nicht abgeschlossen hat. Wir wachen nicht auf, weil wir zuende geschlafen haben, sondern aufgrund sozialer Verpflichtungen.

Da die Menschen überlicherweise ihren Tagesablauf an der Uhrzeit und nur selten an ihren körperlichen Bedürfnissen ausrichten, ist es leicht zu übersehen, was tatsächlich passiert, wenn wir die Uhren auf Sommer-Uhrzeit umstellen: Alle Menschen, die sich an feste Arbeits-, Kita- oder Schulzeiten halten müssen, werden dazu gezwungen, im natürlichen Tag-Nacht-Wechsel noch eine Stunde zeitiger aufzustehen. Die innere Uhr der meisten Menschen ermöglichst es ihnen jedoch nicht, auch eine volle Stunde zeitiger einzuschlafen. Es ist daher nicht überraschend: Menschen schlafen während der Sommer-Uhrzeit weniger [BaWa09, JiZi20, WBLF12].

Leider wird immer noch behauptet, man gewöhne sich an die Sommer-Uhrzeit, jedoch ohne jegliche wissenschaftliche Fundierung dieser Aussage [BrPh20, Clea20, Medi20]. Das ist eine gefährliche Fehlinformation, wie wissenschaftliche Studien mittlerweile belegen (siehe Mythos „Daran gewöhnt man sich.“).

Da die Sommer-Uhrzeit unseren Schlaf nachweislich verkürzt, wirkt sie sich auch negativ auf unsere Wirtschaft aus, denn unumstritten ist: Guter Schlaf macht uns nicht nur glücklicher und entspannter, sondern auch produktiver und zu besseren Denkern. Unzureichender Schlaf bedeutet zum einen erhöhte Mortalität und Morbidität und folglich gesteigerte Ausgaben im Gesundheitswesen. Zum anderen treten weitere Verluste auf, wie eine Verminderung der Produktivität, eine Zunahme von Arbeitsunfällen und schlechte Entscheidungen, die letztendlich die Wirtschaft Milliarden von Euro kosten [HSTT16]. Daten, zusammengetragen aus den 5 Industrienationen Kanada, USA, Deutschland, Großbritannien und Japan, weisen auf einen jährlichen Verlust von 680 Milliarden Euro aufgrund von unzureichendem Schlaf hin. Abbildung 1 zeigt die einzelnen Werte für jede Nation sowie ihren relativen Prozentsatz am Bruttonationaleinkommen (BNE) dieser Nation.

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Abbildung 1. Quelle: [HSTT16]

In Tabelle 1 werden die wirtschaftlichen Kosten von unzureichendem Schlaf mit den Investitionen pro Nation in den Bereichen „Forschung und Entwicklung“ (F&E) und „Gesundheitswesen“ verglichen. Wenn die Nationen bessere Bedingungen für Schlaf schaffen würden, würde dies nicht nur die Gesundheitskosten senken, es würde auch Kapital frei, um beispielsweise 50-100% mehr F&E-Programme zu finanzieren.

Tabelle 1: Vergleich der Ausgaben für Forschung und Entwicklung, Gesundheitswesen und der wirtschaftlichen Kosten unzureichenden Schlafs als Prozentsatz des BIP.

Für Deutschland wird geschätzt, dass 30% der Menschen weniger als 7 Stunden schlafen (9% schlafen weniger als 6 Stunden und 21% schlafen zwischen 6 und 7 Stunden) [HSTT16]. Andere Quellen sprechen sogar von 80% mit weniger als 7 Stunden Schlaf [RoWK19].

Die Umstellung auf eine ganzjährige Normalzeit würde die durchschnittliche Schlafdauer verlängern und somit zur Senkung der wirtschaftlichen Kosten für unzureichenden Schlaf reduzieren.