Energieverbrauch und Umwelt

Der Energieverbrauch ist bei der Diskussion um die Zeitzone ebenfalls Gegenstand von Analysen und Kontroversen. Einige behaupten, mehr natürliches Licht am Abend senke die Energiekosten durch die Einsparung von Straßenbeleuchtung - in diesem Szenario wäre die Sommer-Uhrzeit vorteilhafter. Andere meinen, mehr natürliches Licht am Morgen reduziere die Energiekosten, weil Heizkosten eingespart werden - in diesem Fall wäre die Standardzeit vorteilhafter. Es erscheint eine sinnvolle Annahme, dass Heizkosten den Stromkosten überwiegen, da Heizen teurer ist als Licht, wobei der tatsächliche Vergleich vom Klima des jeweiligen Landes abhängt.

Eine Studie über Großbritannien geht beispielsweise davon aus, dass mit einer permanenten Sommer-Uhrzeit 0,3% der Elektrizitätskosten eingespart werden könnten [HDGC10]. Eine andere Studie aus dem Jahr 2009 schätzt jedoch, dass durch dauerhafte Sommer-Uhrzeit die Elektrizitätskosten im US-Bundesstaat Indiana um 1 bis 4% steigen würden, was einem Wert von fast 9 Millionen US-Dollar pro Jahr entspräche [KoGr09]. In den meisten Studien, in denen Einsparungen aufgezeigt werden, liegen diese unter 1%, unabhängig davon, wo die Einsparungen gesehen werden (Standardzeit oder Sommer-Uhrzeit) und sind größtenteils widersprüchlich [ArNe08, HaHI18].

Eine Meta-Analyse der Publikationen zum Thema Uhrenumstellung und Elektrizitätseinsparung kommt zu dem Schluss, dass die beste Schätzung des Einflusses der Sommer-Uhrzeit auf den Elektrizitätsverbrauch nahe Null ist [HaHI18, IrHH17].

Selbst unter Berücksichtigung des Einflusses der geographischen Breite ist der potentielle Energieeinsparungseffekt nicht wirklich erkennbar [ArNe08, HaHI18]. Für Deutschland schätzen Experten die Ersparnis an Elektrizität durch die 7-monatige Sommer-Uhrzeit auf etwa 0,1% (entspricht 10 Millionen Euro) [HaHI18, IrHH17mit einer möglichen Erhöhung des Kraftstoffverbrauchs [HeBT93].

 

Die zeitliche Verschiebung menschlicher Aktivitäten auf eine Stunde früher hat jedoch Auswirkungen auf die Umwelt. Eine kürzlich durchgeführte Studie zeigt,  dass in den USA beim Umstellen auf Sommer-Uhrzeit die Zahl an Bränden um 30% steigt, ein Effekt, der bis zu 3 Wochen nach der Zeitumstellung nachweisbar ist [Koun20]. Auch wenn Waldbrände in einigen Ländern, wie Deutschland, üblicherweise kein sehr großes Risiko darstellen, so ist dennoch eine unnötige Zunahme an Umweltverschmutzung und -zerstörung durch künstliche Zeitsysteme wie der Sommer-Uhrzeit ethisch nicht tragfähig.