Mutter von Schulkindern - Teil II

"Zombies am Frühstückstisch-Fortsetzung / Hochseilakt auf Zehenspitzen

Sehr geehrte Damen und Herren,
die 3.Schulwoche und für mich die 4.Arbeitswoche sind um. Meine Familie, die Zombies frühmorgens vor 6.oo h am Frühstückstisch, verwandelt sich schleichend in blutleere Vampire mit noch mehr Schatten um die Augen. Wir waren eigentlich allesamt erholt nach dem Sommerurlaub und kraftvoll. Voller Tatendrang, Ideen und positiver Energie. Leider ein Schauspiel von kurzer Dauer:
Mehrere Wochen Schlafentzug durch die nach wie vor bestehende Sommer-Zeitverordnung hinterlässt Tag um Tag mehr seiner Spuren. Einer meiner Söhne ist bereits auf der Strecke geblieben. Jahreszeitenwechsel-Grippe. Chronischer Schlafmangel hat sein Immunsystem geschwächt. Wenn er um 20.30h einschläft, kommt er trotzdem nur auf 9 Schlafstunden, die er dann jedes Wochenende durch 12h-Schlaf versucht auszugleichen. Jetzt, wo es morgens duster, bereits saukalt und nebelig ist, reichen die 9h für ein Kind niemals aus. Doch ein 11-jähriges Kind vor 20.ooh zum schlafen zu kriegen ist kaum möglich, außer es ist krank, so wie jetzt.

Dann ist zu allem Übel die Sommer-Zeitverordnung auch noch in die Verlängerung gegangen: statt wie bis 1996 nach der Tag-Nacht-Gleiche, Ende September,die Uhren zurückzustellen, müssen wir den Schlafentzug auch noch den ganzen Oktober ertragen. Der Oktober, als 7.Monat der Sommer-Zeitverordnung, artet nur noch in Folter aus. Hier wird der Saft der Zitrone nochmal bis aufs letzte Tröpfchen ausgequetscht.

Nebenbei ist die Toleranzgrenze in der ganzen Familie abgesunken, es wird wieder mehr geschimpft, gestritten und sich gegenseitig genervt, genauso wie ab April, wenn die Uhr frisch umgestellt wurde. Jeder kommt langsam aber sicher am Zahnfleisch daher. Auch mein Chef (ich gehöre zur Gruppe der halbtags berufstätigen Mütter) streßt zunehmend mehr (klar, auch er leidet unter demselben Schlafentzugsproblem). Ich fühl mich wie bei einem Tanz auf Zehenspitzen am Hochseil, empfindlich, dünnhäutig und jede falsche Bewegung bringt mich aus dem Tritt.

Warum?
Weil wir verdammt noch mal alle müde sind, und dank Sommer-Zeitverordnung ja um 5.30h MEZ statt 6.30h aus den Federn müssen. Früher im Schichtdienst, der um 6.00h begann, mußte ich um 5.00h aufstehen, was während der Sommer-Zeitverordnung 4.00h MEZ entspricht, der helle Wahnsinn, das könnte ich gar nicht mehr aushalten und sage "Hut ab" vor allen, die diesen Wahnsinn noch zusätzlich aushalten müssen.

Die Wochenenden sind hauptsächlich nur noch dazu da, um den Schlafentzug  irgendwie abzufangen. Doch das gelingt Woche um Woche schlechter.
In der ersten Woche nach der Sommerpause hab ich noch genug Power zum kompensieren gehabt.
In der zweiten Woche war ich ab Donnerstag k.o.
In der dritten Woche ab Mittwoch und in der 4. Woche schon von Montag an.
Es folgt die 5.Woche und mir graust es mehr denn je. Ich muß quasi jeden Tag schlafen, was das Zeug hält.
Am Wochenende machbar, aber unter der Woche mit allen seinen Termin kaum.

Ich weiß nicht wie es Ihnen geht, aber bei uns zählt morgens jede Minute. Wenn der Morgen schon mal schlecht , weil übermüdet , beginnt, zieht sich das weiter durch den ganzen Tag. Die sogenannte "gewonnene Stunde" am Abend kann ich gar nicht nutzen, weil ich bis dahin zu platt bin.
Mittlerweile lösche ich vor 21.00h mein Licht, gestern schon 20.30h und schlafe erschöpft mit den Kindern ein. Dann kommt natürlich wieder die Sache mit den Schlafstörungen und dem Aufwachen zw. 0.30 und 3.30h, weil ich ja weit vor meiner eigentlichen, normalen Schlafenszeit meines Biorhythmuses ins Bett gegangen bin. Ganz abgesehen von dem zwischenmenschlichen Beziehungsstreß, weil beide Partner ja nur noch müde und lustlos(im doppelten Wortsinn) sind.

Der 26.Oktober, der Tag, an dem endlich wieder auf Normalzeit gestellt wird, kommt uns vor wie eine Oase in der Wüste, sehnlichst herbei-gewünscht. Oft kommt aber genau da (falls im Oktober noch nicht passiert) dann der Zusammenbruch, die Quittung nach 7 Monaten Leben gegen den Biorythmus, und das schieben die Leute dann fälschlicherweise auf die dunkle Jahreszeit, den Winter, und keiner bedenkt, was 7 Monate lang für ein Raubbau mit unserem Körper betrieben wurde. Wann genau soll sich der Körper denn erholen dürfen?

Jeder, der morgens gern sehr früh aufstehen will, soll das doch gut und gerne tun, aber deshalb muß doch nicht gleich die ganze Bevölkerung über einen Kamm geschert und dazu gezwungen werden.

Erkältungskrankheiten und Depressionen sind auf dem Vormarsch, nicht nur bei meinem Sohn oder in meiner Familie, denn chronisch unausgeschlafen ist schon mal die Immunabwehr geschwächt und das Nervenkostüm blank.

Ja, und das mit dem Abnehmen, liebe Frauen, klappt auch überhaupt nicht, denn bei dem Cortison, das wir stressbedingt durch Dauerschlafmangel ausschütten, ist der Fettabbau von vornherein schon blockiert. Das macht mich auch noch zusätzlich wahnsinnig und mürbe.

Nun, die Arztpraxen boomen, Hochsaison. Doch: Wenn das das Ziel für das deutsche Volk sein soll: Hochseilakt auf Zehenspitzen einer chronisch übermüdeten Gesellschaft?!?

Und dabei ist die Lösung so einfach:
Uhren zurück drehen, Normalzeit einstellen, natürlich schlafen und schon sieht die Welt wieder viel besser aus! (hat die Oma schon immer zu uns gesagt) Danach hat man auch wieder die Kraft und Muße sich um die Aufgaben, die das  Leben uns stellt, zu kümmern. In Ruhe, bedacht und ohne Hetze. Ausgeruht und ausgeschlafen können sicher auch unsere Politiker klarer denken und besser ihre Entscheidungen zum Nutzen des Volkes treffen.

Im Mittelalter wurde die Pest als Geißel Gottes bezeichnet gegen die man machtlos war. Sommer-Zeitverordnung ist hingegen nur eine vom Menschen gemachte Geißel. Diese ist jederzeit widerrufbar.

MfG
X.X, Mutter aus Bayern"

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